Medien selber machen: Das Kaffeeprojekt - für mehr Fairness in Berlin

Eine fiktive Reportage von Nehle Hoffer, entstanden auf einem Seminar der Reihe Medien selber machen

Es riecht nach Kaffee. 300 junge Menschen fahren auf buntgeschmückten Fahrrädern durch die Straßen Berlins, machen Krach und verteilen Flyer und Kaffeeproben. „Was ist da los?“ fragt eine ältere Mitbürgerin. Da drückt ihr einer der gutgelaunten Demonstranten einen der Flyer in die Hand: „Das Kaffeeprojekt“ liest sie. Es geht um fair gehandelte Produkte und die Cafés und Kneipen, die diese Produkte verkaufen. Auf der Rückseite des DIN A5 großen Zettels ist eine Liste dieser Lokale abgedruckt: das Café Morgenrot, das Café Fargo am Boxhagener Platz und viele andere.

Viele zwar, aber noch nicht genug, findet Tatjana Kaube, Bundessprecherin des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) in Berlin. Das Interesse an fair gehandelten Produkten wie Kaffee, Schokolade und Tee sei zwar prinzipiell da, es müsse den Menschen aber so leicht wie möglich gemacht werden an diese Produkte ranzukommen. Deswegen haben die FÖJler in Berlin die Aktion Kaffeeprojekt gestartet. Sie haben eine Plakette entwickelt, die alle Cafés, die faire Produkte verkaufen, auszeichnet. Diese Plakette soll anderen Cafés ein Ansporn sein, auch auf „fair trade“ umzustellen oder zumindest ihr Angebot zu ergänzen. Nach dem Motto „FÖJ-geprüft 2004!“ soll sie Cafébesucher dazu verleiten, gezielt diese Cafés zu besuchen und dort ihren Kaffee mit ruhigem Gewissen zu trinken.

Die Plakette ist braun, kaffeebraun. In der Mitte ist eine Tasse abgebildet. Oben steht groß: „FÖJ-geprüft 2004“, darüber steht noch: „Dieses Cafés verkauft fair gehandelte Produkte.“ Der Bezug zum Thema ist eindeutig. Die Plakette war bereits in mehreren Zeitungen und auf mehreren Internetseiten veröffentlich worden, immer zusammen mit einer Liste der teilnehmenden Cafés.

Nora Hans ist Berliner FÖJlerin. Sie erklärt, dass der Aufschlag pro Tasse in einem Café nur ein paar Cent betragen soll. Fair gehandelter Kaffee kann im Vergleich zum Discountpreis das Drei- bis Vierfache kosten. Die Theorie der FÖJler ist daher, den Bürgern Berlins über die Cafés und Kneipen die fairen Produkte nahezubringen. Denn fair gehandelte Produkte sind nicht nur politisch korrekt, sondern auch wirkliche Qualitätsprodukte, die oftmals auch nachhaltig und biologisch angebaut werden.

Heute ist der achte März. Es ist der Landesaktionstag der FÖJler. Heute werden die Plaketten verliehen. Die Freiwilligen haben mehrere Monate harter Arbeit hinter sich. Es war nicht einfach, obwohl sie vielfältige Unterstützung von mehreren Stellen erfuhren. Die gepa – der größte fair-trade-Vertrieb in Deutschland – hatte kostenlos Schulungen angeboten, mit Sachspenden und einer Liste der von der gepa belieferten Cafés geholfen. Finanzielle Unterstützung kam von Ökotopia, einem anderem fair-trade-Händler. Der Berliner Senat – selber an der Erweiterung des Absatzes von fair gehandelten Produkten in Berlin interessiert – ließ die Jugendlichen bei verschiedenen Planworkshops und Arbeitstreffen teilnehmen und vermittelte Kontakte. Die Stiftung Naturschutz Berlin, als größter Träger des Freiwilligen Ökologischen Jahres in Berlin gleichzeitig Arbeitgeber der meisten Aktiven, übernahm den Druck der Flyer.

Die ältere Dame hat den Flyer sorgsam in ihrer Handtasche verstaut. Sie nimmt sich vor, demnächst mal in eins der aufgelisteten Cafés zu gehen, vielleicht schon morgen, am Sonntag, und diesen anderen Kaffee zu probieren. Gerochen hat er wirklich sehr gut.

Anmerkung: Dieser Text ist auf einem Seminar der Reihe Medien selber machen entstanden. Auf diesen Seminaren geht es meist ums Schreiben und Redigieren, während Zahlen, Namen und Ähnliches fiktiv sein können. Sämtliche Daten, Personen und Aussagen in diesem Text sollten daher als ausgedacht behandelt werden!